Ihr Elektroauto ist rechtlich ein ganz normales Altauto
Ein Elektroauto zählt bei der Zulassung genauso zur Gruppe der Personenwagen wie ein Benziner oder ein Diesel. Für die Rücknahme, den anerkannten Betrieb und den Verwertungsnachweis gelten deshalb dieselben Regeln, egal welcher Antrieb unter der Haube oder im Unterboden verbaut ist.
Der einzige echte Unterschied steckt in der Antriebsbatterie, die auf Rechnungen und Papieren oft Hochvolt-Akku oder Hochvoltbatterie genannt wird. Anders als eine kleine Starterbatterie speichert sie so viel Energie, dass sie vor der Verwertung einen eigenen, gesicherten Arbeitsschritt braucht.
Warum der Akku nicht einfach im Auto bleiben darf
Bevor die Karosserie geschreddert werden darf, muss der Betrieb alle Betriebsstoffe und gefährlichen Bauteile entfernen. Bei einem Elektroauto gehört der Akku fest dazu, weil er bei Beschädigung Brände auslösen und schwer löschbare Schäden verursachen kann. Erst nach diesem Schritt ist der Rest des Autos ein gewöhnlicher Schrottfall wie jedes andere Altauto.
Diese Pflicht gilt unabhängig davon, in welchem Zustand der Akku ist. Auch ein technisch noch gut erhaltener Akku wird ausgebaut, bevor irgendetwas anderes mit dem Auto passiert.
Wer den Akku ausbauen darf und wer nicht
Nicht jeder anerkannte Betrieb darf einen Elektroauto-Akku selbst ausbauen. Wegen der hohen Spannung braucht das Personal eine zusätzliche Qualifikation für Arbeiten an Hochvoltsystemen, die in mehreren Stufen aufgebaut ist und regelmäßig aufgefrischt werden muss.
Fragen Sie deshalb vor der Abgabe nach, ob der Betrieb Ihrer Wahl diese Qualifikation nachweisen kann. Fehlt sie, gibt der Betrieb das Auto samt Akku an einen spezialisierten Partner weiter, was den Ablauf verlängert, für Sie aber am Ergebnis nichts ändert.
Was mit dem ausgebauten Akku passiert
Ein ausgebauter Akku landet selten sofort im Recycling. Er besitzt nach mehreren Jahren im Auto oft noch 70 bis 80 Prozent seiner ursprünglichen Kapazität. Deshalb bekommt er häufig ein zweites Leben als stationärer Speicher, etwa für Solarstrom, bevor er nach weiteren zehn bis zwölf Jahren tatsächlich verwertet wird.
Erst dann trennt ein spezialisierter Betrieb die enthaltenen Rohstoffe wie Lithium, Kobalt und Nickel heraus. Eine neue EU-Verordnung schreibt dafür feste Mindestanteile aus recyceltem Material vor: Ab 2031 müssen mindestens 6 Prozent des verbauten Lithiums aus dem Recycling stammen, ab 2036 steigt dieser Anteil weiter.
Warum ein fehlender Akku Sie teuer zu stehen kommt
Ein Hersteller muss Ihr Elektroauto nur dann kostenlos zurücknehmen, wenn die wesentlichen Bauteile noch vorhanden sind, und dazu zählt ausdrücklich der Antrieb. Bauen Sie den Akku vorher selbst aus, um ihn separat zu verkaufen, verlieren Sie damit den Anspruch auf die kostenlose Rücknahme für das restliche Auto.
Geben Sie Ihr Elektroauto deshalb komplett ab, wenn Sie die kostenlose Rücknahme nutzen wollen. Einen Überblick, welche weiteren Fahrzeugarten eigene Regeln haben, gibt der Artikel Motorrad, Wohnmobil, Oldtimer oder E-Auto verschrotten. Wie die Rücknahme beim gewöhnlichen Verbrenner im Detail abläuft, zeigt außerdem der Artikel Was Auto verschrotten kostet und wann es unentgeltlich ist.
Häufige Fragen
Muss ich für die Entsorgung meines Elektroautos bezahlen?
Meist nicht. Geben Sie Ihr komplettes Elektroauto samt Akku bei einem anerkannten Betrieb ab, ist die Rücknahme genauso kostenlos wie bei einem Benziner. Fehlen wesentliche Teile wie der Akku, entfällt dieser Anspruch.
Darf ich den Akku vorher ausbauen und separat verkaufen?
Technisch ja, rechtlich kostet Sie das aber die kostenlose Rücknahme für das restliche Auto, weil der Akku zu den wesentlichen Bauteilen zählt. Wägen Sie ab, ob der separate Verkauf des Akkus diesen Verlust wirklich aufwiegt.
Wer darf den Akku meines Elektroautos ausbauen?
Nur Personal mit einer Zusatzqualifikation für Arbeiten an Hochvoltsystemen. Nicht jeder anerkannte Betrieb hat diese Qualifikation, fragen Sie deshalb vorher nach oder lassen Sie sich an einen spezialisierten Partnerbetrieb verweisen.
Wird mein alter Akku einfach recycelt?
Nicht sofort. Viele Akkus behalten nach dem Fahrzeugleben noch 70 bis 80 Prozent ihrer Kapazität. Sie werden zunächst als stationärer Speicher weiterverwendet, oft für 10 bis 12 weitere Jahre, bevor die enthaltenen Rohstoffe recycelt werden.
Gilt für den Akku dasselbe Gesetz wie für das Auto?
Nein. Für das Auto selbst gelten die Regeln für Altautos, für die Antriebsbatterie eine eigene europäische Batterieverordnung, die seit August 2023 gilt und eigene Rücknahme- und Recyclingvorgaben macht.
