3 Wege, ein altes Auto loszuwerden
Ihr altes Auto hat für drei ganz unterschiedliche Käufer einen Wert. Für einen Verwerter ist es Material und Ersatzteile, für einen Ankäufer ein Geschäft, das er schnell weiterreicht, und für einen privaten Käufer ein Auto, das er selbst fahren will. Je nachdem, wie alt, vollständig und fahrbereit Ihr Auto ist, passt ein anderer Weg besser.
Ein anerkannter Verwerter muss Ihr Auto unter bestimmten Voraussetzungen sogar kostenlos zurücknehmen. Ein Ankäufer zahlt Ihnen Bargeld und organisiert die Abholung, verlangt dafür aber einen Aufschlag für sein eigenes Risiko. Der private Verkauf bringt oft den höchsten Preis, weil kein Zwischenhändler mitverdient, kostet Sie aber Zeit für Anzeige, Nachrichten und Besichtigungstermine.
Die drei Wege unterscheiden sich vor allem darin, wie viel Geld Sie bekommen und wie viel eigene Arbeit sie kosten. Die folgende Übersicht stellt sie nebeneinander.
| Weg | Was Sie bekommen | Was er an Aufwand kostet |
|---|---|---|
| Anerkannter Verwerter | Kostenlose Rücknahme oder Auszahlung des Materialwerts | Gering: ein Anruf und die Übergabe genügen |
| Ankäufer oder Online-Portal | Bares Geld bei Abholung, oft niedriger als zuerst genannt | Gering: Sie vergleichen nur die Angebote |
| Privater Käufer | In der Regel der höchste Preis | Hoch: Anzeige, Nachrichten, Besichtigungstermine |
Wann sich der Verwerter für Sie am meisten lohnt
Ein Verwerter lohnt sich vor allem, wenn Ihr Auto kaum noch Marktwert hat: kein TÜV, hohe Laufleistung, ein Motor- oder Unfallschaden, dessen Reparatur sich nicht mehr lohnt. Ist Ihr Auto vollständig, war es zuletzt in der EU zugelassen und liegt Ihr Fahrzeugbrief vor, muss der Hersteller es unter seiner eigenen Marke sogar ohne Zuzahlung zurücknehmen.
Dafür baut jeder Hersteller ein Netz aus Anlaufstellen auf, das höchstens 50 Kilometer von Ihrem Wohnort entfernt sein darf. Kostenlos heißt aber nicht automatisch, dass für Sie nichts drin ist: Ist Ihr Auto noch etwas wert, dürfen Sie trotzdem ein bezahltes Angebot einholen, statt die kostenlose Rücknahme zu nutzen.
Der Nachteil des Verwerters ist der Preis. Ein Betrieb kalkuliert für das umweltgerechte Recycling rund 100 Euro je Auto ein, bevor überhaupt ein Materialwert übrig bleibt. Bei einem Auto ohne verkäufliche Teile bekommen Sie deshalb oft nichts ausgezahlt, auch wenn die Rücknahme selbst kostenlos bleibt. Wie sich dieser Materialwert berechnet, erklärt der Artikel Wie sich der Schrottpreis fürs Auto aus dem Gewicht ergibt.
- Suchen Sie einen anerkannten Betrieb in Ihrer Nähe, entweder über den Hersteller Ihrer Marke oder frei nach Angebot.
- Halten Sie Fahrzeugschein, Fahrzeugbrief und Ihren Ausweis für die Übergabe oder Abholung bereit.
- Lassen Sie sich vor Ort sagen, ob die Rücknahme kostenlos ist oder ob Sie eine Auszahlung bekommen.
- Nehmen Sie den Nachweis über die Verwertung entgegen. Ohne ihn bleibt Ihr Auto auf Ihren Namen angemeldet.
- Melden Sie Ihr Auto anschließend ab, falls der Betrieb das nicht für Sie übernimmt.
Was ein Ankäufer bietet und wo der Haken liegt
Ein Ankäufer, ob vor Ort oder über ein Online-Portal, nimmt Ihnen fast jedes Auto ab, unabhängig vom Zustand, und kümmert sich um Abholung und Papiere. Das ist bequem, wenn es schnell gehen muss oder ein Auto sonst niemand haben will.
Der Preis, den ein Portal Ihnen online in Aussicht stellt, ist aber oft nur ein erster Richtwert. In einem Test sanken die Angebote nach der Besichtigung teils deutlich. Für einen Testwagen standen online noch 11.000 bis 12.000 Euro im Raum, vor Ort blieben davon rund 6.500 Euro übrig. Begründet wurde das mit Rost, Laufleistung oder Ausstattung, die beim Ausfüllen des Formulars niemand erfragt hatte.
- Ein Preis, der nur am Telefon gilt und vor Ort plötzlich sinkt.
- Bargeld ohne schriftlichen Vertrag, mit dem Sie später nichts beweisen können.
- Eine Abmeldung, die zugesagt, aber nicht mit einem Papier belegt wird.
- Ein Käufer ohne Adresse, Impressum oder erreichbare Telefonnummer.
Holen Sie deshalb immer mehrere Angebote ein, bevor Sie sich festlegen, und lassen Sie sich den Endpreis erst nach einer echten Besichtigung schriftlich bestätigen. Ein schriftlicher Kaufvertrag mit Namen, Anschrift und Ausweisnummer des Käufers ist Pflicht, sonst können Sie den Verkauf später nicht sauber nachweisen.
Wann sich der private Verkauf für Sie lohnt
Privat verkaufen lohnt sich, wenn Ihr Auto noch fährt, den TÜV hat und für jemand anderen noch ein ganz normales Gebrauchtauto ist. Ohne Zwischenhändler bleibt der volle Preis bei Ihnen, den ein Käufer über eine Kleinanzeige bietet.
Der Aufwand ist dafür deutlich größer: Fotos machen, eine ehrliche Anzeige schreiben, auf Nachrichten antworten und Besichtigungstermine vereinbaren. Dazu kommt das Risiko unseriöser Interessenten, die am Telefon einen Preis zusagen und ihn vor Ort wieder drücken wollen.
- Nutzen Sie mehrere Kleinanzeigenportale gleichzeitig, damit mehr Interessenten Ihr Auto sehen.
- Nennen Sie Mängel und Vorschäden ehrlich in der Anzeige, das erspart Ihnen Ärger bei der Besichtigung.
- Vereinbaren Sie Besichtigungstermine tagsüber und an einem Ort, an dem Sie sich sicher fühlen.
- Verlangen Sie den vollen Kaufpreis, bevor Sie die Schlüssel aus der Hand geben, nicht danach.
Wie viel Ihr Auto privat tatsächlich wert ist, lässt sich vorab abschätzen. Eine Anleitung dazu gibt der Artikel Wie Sie den Restwert Ihres Autos selbst berechnen. Für ein beschädigtes Auto gilt statt des normalen Marktpreises der Restwert, wie ihn ein Gutachter nach einem Unfall ermittelt.
Welcher Weg zu Ihrem Auto passt
Hat Ihr Auto noch gültigen TÜV und läuft es ohne größere Mängel?
Haben Sie Zeit und Lust, Anzeige, Nachrichten und Besichtigungen selbst zu organisieren?
Verkaufen Sie privat über eine Kleinanzeige. Das bringt in der Regel den höchsten Preis.
Nutzen Sie einen Ankäufer oder ein Online-Portal. Holen Sie mehrere Angebote ein und lassen Sie sich den Preis erst nach der Besichtigung schriftlich bestätigen.
Ist Ihr Auto vollständig, zuletzt in der EU zugelassen, und liegt Ihr Fahrzeugbrief vor?
Geben Sie es bei einem anerkannten Verwerter ab. Je nach Zustand ist die Rücknahme kostenlos oder Sie bekommen den Materialwert ausgezahlt.
Klären Sie zuerst die fehlenden Papiere oder Teile. Ohne sie verlangt auch ein Verwerter meist eine Zuzahlung für die Entsorgung.
Was in jedem Fall in den Vertrag gehört
Unabhängig vom Weg gilt eine Grundregel: Ohne schriftlichen Vertrag können Sie später weder den Preis noch den Zeitpunkt der Übergabe beweisen.
- Schließen Sie einen schriftlichen Vertrag mit Datum, Kennzeichen, Fahrgestellnummer, Kilometerstand und Preis.
- Lassen Sie sich den Ausweis des Käufers zeigen und notieren Sie Name und Anschrift.
- Nennen Sie jeden bekannten Mangel und Vorschaden im Vertrag, statt sich auf einen Ausschluss zu verlassen.
- Übergeben Sie das Auto erst, wenn der Kaufpreis vollständig bei Ihnen eingegangen ist.
- Melden Sie den Wechsel dem Straßenverkehrsamt, sobald das Auto übergeben ist.
Bis der Wechsel dort eingetragen ist, läuft das Auto weiter auf Ihren Namen, mit Steuer und Versicherungspflicht. Verwerten Sie das Auto, statt es zu verkaufen, tritt an die Stelle dieser Meldung der Nachweis, dass ein anerkannter Betrieb es übernommen hat.
Verkaufen Sie privat, dürfen Sie die Garantie ausschließen, außer Sie verschweigen bewusst einen erheblichen Mangel. Das kostet Sie beim Preis wenig und schützt Sie vor späterem Ärger.
Was bei einem Auto mit Kredit oder Leasing anders läuft
Läuft noch ein Kredit auf Ihr Auto, gehört der Fahrzeugbrief oft der Bank, nicht Ihnen. Ohne dieses Papier können Sie das Auto weder privat verkaufen noch beim Verwerter abgeben, weil niemand ohne den Brief den Eigentumswechsel nachvollziehen kann.
Klären Sie deshalb zuerst mit der Bank, wie viel Restschuld noch offen ist und ob sie den Brief gegen Ablösung der Schuld herausgibt. Bei einem Leasingauto entscheidet ohnehin die Leasinggesellschaft über den Verkauf, nicht Sie als Fahrer. Sprechen Sie sie an, bevor Sie ein Angebot einholen.
Häufige Fragen
Bekomme ich für mein altes Auto beim Verwerter immer Geld?
Nein, nicht immer. Ist Ihr Auto vollständig und lohnt sich seine Verwertung, zahlt der anerkannte Betrieb oft den Materialwert aus. Hat es kaum noch verkäufliche Teile, bleibt es bei der kostenlosen Rücknahme ohne Auszahlung, weil das Recycling selbst schon rund 100 Euro je Auto kostet.
Ist ein Ankaufportal seriöser als ein privater Käufer?
Nicht automatisch. Ankaufportale holen zuverlässig ab und zahlen bar, senken den Preis aber häufig erst nach der Besichtigung vor Ort. Holen Sie deshalb mehrere Angebote ein und bestehen Sie auf einer schriftlichen Bestätigung nach der Besichtigung, bevor Sie zusagen.
Muss ich mein altes Auto einem bestimmten Verwerter geben?
Nein, Sie dürfen den Betrieb frei wählen, solange er anerkannt ist. Nur wenn Sie die kostenlose Rücknahme des Herstellers nutzen wollen, müssen Sie eine der von ihm benannten Anlaufstellen aufsuchen, die höchstens 50 Kilometer von Ihrem Wohnort entfernt sein darf.
Was bringt mehr Geld, privater Verkauf oder Ankäufer?
Der private Verkauf bringt in der Regel mehr Geld, weil kein Zwischenhändler mitverdient. Dafür brauchen Sie Zeit für Anzeige, Nachrichten und Besichtigungen. Ein Ankäufer zahlt meist weniger, dafür schneller und ohne eigenen Aufwand.
Was passiert, wenn mein Auto keinen TÜV mehr hat?
Ohne gültigen TÜV wird der private Verkauf schwieriger, ist aber nicht ausgeschlossen, solange Sie das im Angebot ehrlich angeben. Für viele Verkäufer bleibt dann nur noch ein Ankäufer oder ein anerkannter Verwerter übrig, je nachdem, wie fahrbereit das Auto sonst ist.
Kann ich mein altes Auto auch verschenken, statt es zu verkaufen?
Ja, das dürfen Sie. Auch bei einer Schenkung bleiben Sie so lange im Register eingetragen, bis der Wechsel dem Straßenverkehrsamt gemeldet ist, und ein schriftlicher Vertrag mit den Daten des neuen Halters bleibt genauso wichtig wie bei einem Verkauf.
