Wie sich der Schrottwert aus dem Gewicht Ihres Autos ergibt
Der Rechenweg ist einfach, die Zahl dahinter nicht. Sie multiplizieren das Gewicht Ihres Autos mit dem Preis, den ein Verwerter je Tonne Autoschrott zahlt. Das Gewicht steht fest, der Tonnenpreis schwankt. Deshalb entscheidet über das Ergebnis nicht Ihr Auto, sondern der Tag, an dem Sie fragen.
Welches Gewicht zählt, ist klar geregelt. Gemeint ist das Leergewicht aus Ihrem Fahrzeugschein, abzüglich des Gewichts einer fast vollen Tankfüllung und, bei Autos ab 1997, zusätzlich abzüglich 75 Kilogramm für den Fahrer. Diese Zahl ist eigentlich für die Berechnung von Recyclingquoten gedacht, nicht für den Preis. Sie ist aber die einzige amtliche Gewichtsangabe zu Altautos und deshalb der ehrlichste Ausgangspunkt für eine eigene Rechnung.
Wie viel Sie abziehen, hängt vom Baujahr und vom Fahrzeugtyp ab. Bei einem Auto ab 1997 ziehen Sie zusätzlich 75 Kilogramm für den Fahrer ab, bei einem älteren Auto nicht. Bei einem kleinen Transporter bis 3,5 Tonnen rechnen Sie genauso wie bei einem neueren Auto.
| Ihr Auto | Ausgangswert | Was Sie abziehen |
|---|---|---|
| Auto, zugelassen bis Ende 1996 | Leergewicht laut Fahrzeugschein | Das Gewicht einer fast vollen Tankfüllung |
| Auto, zugelassen ab 1997 | Leergewicht laut Fahrzeugschein | Tankfüllung und zusätzlich 75 Kilogramm für den Fahrer |
| Kleiner Transporter bis 3,5 Tonnen | Leergewicht laut Fahrzeugschein | Tankfüllung und 75 Kilogramm für den Fahrer |
Wie schwer ein durchschnittliches Altauto ist, lässt sich aus der Abfallstatistik ableiten: 2024 wurden 341.600 Tonnen bei 299.300 Altautos angenommen. Das sind im Schnitt rund 1,14 Tonnen je Auto. Diese Zahl ist unsere eigene Rechnung aus zwei Spalten der Statistik, kein Wert, den eine Behörde selbst veröffentlicht, und sie beschreibt den Bundesdurchschnitt, nicht Ihr Auto.
Warum es keine amtliche Preisliste für Altautos gibt
Eine amtliche Übersicht über den Ankaufspreis von Altautos gibt es in Deutschland nicht. Weder das Statistische Bundesamt noch das Kraftfahrt-Bundesamt erheben, was ein Verwerter einem Verkäufer zahlt. Das ist keine Lücke in unserer Recherche, sondern schlicht der Stand der Dinge.
Am nächsten kommt der Index der Erzeugerpreise für gewerbliche Produkte. In der veröffentlichten Übersicht taucht Schrott dort aber gar nicht als eigene Zeile auf, sie gliedert nur grob nach Vorleistungs-, Investitions-, Gebrauchs- und Verbrauchsgütern sowie Energie. Und selbst eine tiefer gegliederte Zahl würde Ihnen wenig helfen. Ein Index misst eine Entwicklung als Verhältniszahl, keinen Betrag je Tonne, und er zeigt den Absatz der Aufbereiter, nicht das, was an Sie ausgezahlt wird.
Daraus folgt eine unbequeme, aber nützliche Erkenntnis. Jede Zahl, die Ihnen als üblicher Schrottpreis genannt wird, stammt von einem Anbieter oder einem Portal, nicht von einer Behörde. Nehmen Sie sie als Angebot, nicht als Marktwert.
Was ein Verwerter gegen den Schrottwert rechnet
Der Materialwert ist die eine Seite, der Aufwand für die vorgeschriebene Entsorgung die andere. Bevor die leere Karosserie geschreddert wird, muss der Betrieb Arbeit hineinstecken. Diese Arbeit kostet ihn Zeit und Gebühren, und sie steht auf der Gegenseite Ihres Angebots.
- Das Trockenlegen: Kraftstoff, Kühl-, Brems- und Scheibenwaschflüssigkeit, das Kältemittel aus der Klimaanlage sowie Motor-, Getriebe- und Hydrauliköl müssen getrennt aufgefangen werden.
- Airbags und Gurtstraffer: Weil in ihnen ein kleiner Sprengsatz steckt, dürfen nur geschulte Fachleute sie ausbauen oder gezielt auslösen. Das kostet Arbeitszeit.
- Die Batterie muss sofort ausgebaut und getrennt gelagert werden, in einem säurefesten Behälter.
- Schadstoffe wie Asbest oder quecksilberhaltige Bauteile müssen entfernt werden, bevor der Rest weiterverarbeitet wird.
- Fremder Müll zählt ebenfalls dazu. Altreifen, Bauschutt oder Hausrat im Kofferraum sind zusätzlicher Abfall und werden Ihnen berechnet.
- Der Transport ist eine eigene Leistung. Abholen oder Abschleppen ist im Schrottwert nicht enthalten.
Auf der anderen Seite stehen Teile, die der Betrieb weiterverkaufen kann. Ein Katalysator, Leichtmetallfelgen oder ein noch laufender Motor heben ein Angebot spürbar, weil sie nicht als Schrott, sondern als Ersatzteil verkauft werden. Genau deshalb ist es meistens ein schlechtes Geschäft, einzelne Teile schon vor der Abgabe selbst auszubauen. Sie senken den Wert Ihres Autos und riskieren, den Anspruch auf die kostenlose Rücknahme zu verlieren.
Wann der Schrottwert für Sie überhaupt keine Rolle spielt
Ist die Rücknahme kostenlos, verhandeln Sie nicht über einen Preis, sondern nehmen ein Recht wahr. Der Hersteller muss Altautos seiner eigenen Marke ohne Zuzahlung zurücknehmen, sobald Sie sie einem anerkannten Betrieb übergeben. Einen Schrottpreis bekommen Sie dabei nicht ausgezahlt, aber es entstehen Ihnen auch keine Kosten.
Ist Ihr Auto vollständig, war es zuletzt in der EU zugelassen und liegt Ihr Fahrzeugbrief vor?
Gibt es in erreichbarer Nähe einen Betrieb, den der Hersteller Ihrer Marke dafür benannt hat?
Bietet Ihnen ein anderer anerkannter Betrieb mehr, als die zusätzliche Fahrt dorthin kostet?
Vergleichen Sie beide Wege in Zahlen: Angebot minus Fahrtkosten oder Abholpauschale gegen null Euro bei kostenloser Rücknahme. Lassen Sie sich beide Beträge schriftlich geben.
Nutzen Sie die kostenlose Rücknahme. Den Nachweis über die Verwertung bekommen Sie dort genauso wie überall sonst.
Fragen Sie beim Hersteller oder Importeur nach der nächsten Anlaufstelle. Erst ab mehr als 50 Kilometern Entfernung gilt das Netz nicht mehr als ausreichend.
Die kostenlose Rücknahme entfällt. Jetzt zählt der Schrottwert wirklich, und drei schriftliche Angebote sind Ihre einzige verlässliche Grundlage.
Fehlen dagegen Papiere oder Teile, oder war Ihr Auto zuletzt außerhalb der EU zugelassen, kippt die Rechnung ins Gegenteil. Dann darf der Verwerter von Ihnen eine Zuzahlung verlangen, weil er die Entsorgungskosten allein trägt und kein Hersteller dahintersteht.
Wie Sie drei Angebote für Ihr Altauto vergleichbar machen
Angebote lassen sich nur vergleichen, wenn alle dieselben Angaben und denselben Leistungsumfang haben. Die häufigste Ursache für Ärger am Übergabetag ist nicht Unehrlichkeit, sondern eine Anfrage, die eigentlich drei verschiedene Fragen gestellt hat.
- Notieren Sie die Daten aus Ihrem Fahrzeugschein: Hersteller, Typ, Erstzulassung, Leergewicht, Fahrgestellnummer und Kraftstoffart.
- Halten Sie den Zustand in einem Satz fest, ohne zu beschönigen: fahrbereit oder nicht, Unfallschaden ja oder nein, Motor läuft oder nicht, Räder drehen sich oder nicht.
- Fotografieren Sie das Auto von allen vier Seiten, den Motorraum, den Innenraum und den Kilometerstand. Schicken Sie allen Betrieben dieselben Bilder.
- Stellen Sie allen Betrieben dieselben drei Fragen: Sind Sie ein anerkannter Betrieb? Ist die Abholung im Preis enthalten? Bekomme ich bei der Übergabe den Verwertungsnachweis?
- Lassen Sie sich die Antwort schriftlich geben, per Nachricht oder E-Mail, mit Datum, Kennzeichen und Betrag.
- Vergleichen Sie erst dann, und rechnen Sie Anfahrt, Abschleppkosten und die Gebühr für die Abmeldung in beide Varianten mit ein.
Prüfen Sie zusätzlich, ob der Betrieb in einem öffentlichen Verzeichnis anerkannter Betriebe geführt wird. Ein solches Verzeichnis führt eine gemeinsame Stelle der Länder und aktualisiert es regelmäßig.
Woran Sie erkennen, dass ein Preis nachträglich gedrückt wird
Preisdrückerei funktioniert über den Zeitpunkt. Genannt wird ein Betrag, solange das Auto noch bei Ihnen steht und Sie frei entscheiden können. Gedrückt wird er, sobald das nicht mehr gilt, also wenn der Abholer schon auf dem Hof steht oder Sie eine weite Strecke angereist sind.
Ein drittes Muster betrifft die Abmeldung. Zugesagt wird, der Käufer kümmere sich darum. Passiert das nicht, läuft das Auto weiter auf Sie, und das Straßenverkehrsamt muss Ihren Fahrzeugschein erst mit einer Frist von vier Wochen öffentlich aufrufen, bevor die Anmeldung endet. Bis dahin laufen Steuer und Versicherungspflicht weiter.
Warum Restwert und Schrottpreis nicht dasselbe sind
Die beiden Begriffe beschreiben verschiedene Märkte. Der Schrottpreis ist ein Materialpreis: Gewicht mal Tonnenpreis, abzüglich Entsorgungsaufwand. Der Restwert ist ein Autopreis: das, was jemand für das beschädigte, aber noch brauchbare Auto zahlt.
Deshalb liegt der Restwert eines Unfallwagens fast immer über seinem Schrottwert, manchmal um ein Vielfaches. Ein sechs Jahre altes Auto mit Heckschaden ist ein Ersatzteillager für Motor, Getriebe, Türen und Steuergeräte. Sein Materialwert als Schrott bleibt dagegen derselbe wie bei jedem anderen Auto seiner Größe. Mehr dazu im Artikel Was Ihr Unfallwagen wert ist und wer den Restwert festlegt.
Fragen Sie deshalb nicht nach dem Schrottpreis, wenn Ihr Auto noch brauchbare Teile hat. Fragen Sie nach einem Angebot für das ganze Auto. Den Schrottwert brauchen Sie dann nur als Untergrenze, unter die kein Angebot fallen sollte. Wer schnell einen Überblick über alle drei Verkaufswege will, findet ihn in Altauto verkaufen: an den Verwerter, an einen Ankäufer oder privat.
Häufige Fragen
Wie berechne ich den Schrottwert meines Autos?
Sie schätzen den Schrottwert, indem Sie das Gewicht Ihres Autos mit dem aktuellen Tonnenpreis für Autoschrott multiplizieren. Als Gewicht nehmen Sie das Leergewicht aus Ihrem Fahrzeugschein, abzüglich einer fast vollen Tankfüllung und bei Autos ab 1997 abzüglich 75 Kilogramm für den Fahrer.
Wie viel wiegt ein durchschnittliches Altauto?
2024 nahmen deutsche Verwerter nach der Abfallstatistik 341.600 Tonnen bei 299.300 Altautos an. Rechnerisch ergibt das rund 1,14 Tonnen je Auto. Dieser Mittelwert ist unsere eigene Rechnung aus zwei veröffentlichten Zahlen und beschreibt den Bundesdurchschnitt, nicht ein bestimmtes Modell.
Gibt es einen amtlichen Schrottpreis für Autos?
Einen amtlichen Schrottpreis für Autos gibt es in Deutschland nicht. Weder das Statistische Bundesamt noch das Kraftfahrt-Bundesamt erheben, was ein Verwerter einem Verkäufer zahlt. Belastbar sind deshalb nur eigene, schriftliche Angebote mehrerer anerkannter Betriebe.
Lohnt es sich, Teile vor dem Verschrotten selbst auszubauen?
Nein, meistens nicht. Fehlen Motor, Karosserieteile, Fahrwerk, Katalysator oder die Steuergeräte, entfällt die Pflicht des Herstellers zur kostenlosen Rücknahme. Zugleich sinkt das Angebot des Verwerters, weil ihm genau die verkäuflichen Teile fehlen.
Warum bekomme ich für mein Altauto nichts, obwohl Stahl Geld wert ist?
Dem Materialwert steht der vorgeschriebene Aufwand gegenüber: Batterie und Airbags ausbauen, alle Flüssigkeiten getrennt auffangen, Schadstoffe entfernen. Bleibt danach nichts übrig, gibt es keine Auszahlung. Kostenlos bleibt die Rücknahme trotzdem, wenn Ihr Auto die Voraussetzungen dafür erfüllt.
Ist der Restwert eines Unfallwagens dasselbe wie der Schrottpreis?
Nein, das sind verschiedene Werte. Der Schrottpreis misst nur das Material, also Gewicht mal Tonnenpreis abzüglich Entsorgungsaufwand. Der Restwert ist der Preis, den das beschädigte Auto als Auto oder Ersatzteillager noch bringt, und liegt deshalb fast immer höher.
