Was Restwert und Wiederbeschaffungswert für Sie bedeuten
Drei Begriffe entscheiden, wie viel Geld Sie nach einem Unfall bekommen. Der Wiederbeschaffungswert ist der Preis für ein vergleichbares Auto ohne Schaden. Der Restwert ist das, was Ihr beschädigtes Auto in seinem jetzigen Zustand noch bringt. Die Differenz aus beiden zahlt Ihnen die Versicherung des Unfallgegners, wenn sich die Reparatur nicht mehr lohnt.
Ein wirtschaftlicher Totalschaden ist kein technischer Befund. Ihr Auto kann trotzdem reparierbar sein. Wirtschaftlich wird der Schaden zum Totalschaden, sobald die Reparatur mehr kostet, als die Differenz aus Wiederbeschaffungswert und Restwert hergibt. Dann lohnt sich Reparieren rechnerisch nicht mehr, und Sie bekommen stattdessen diese Differenz ausgezahlt.
Welcher Weg für Sie infrage kommt, hängt davon ab, wer den Unfall verursacht hat und wie hoch der Schaden ausfällt. Die folgende Übersicht zeigt die vier Fälle, die in der Praxis vorkommen, und was Sie in jedem davon bekommen.
| Fall | Wer zahlt | Was Sie bekommen | Worauf Sie achten |
|---|---|---|---|
| Reparatur kostet weniger als der Wiederbeschaffungswert | Die Haftpflicht des Unfallgegners | Die tatsächlichen Reparaturkosten | Sie dürfen auch ohne Reparatur nach Gutachten abrechnen |
| Reparatur kostet bis zu 130 Prozent des Wiederbeschaffungswerts | Die Haftpflicht des Unfallgegners | Die Reparaturkosten, wenn Sie vollständig reparieren lassen und weiterfahren | Ohne vollständige Reparatur bleibt es bei Wiederbeschaffungswert minus Restwert |
| Reparatur kostet mehr als 130 Prozent | Die Haftpflicht des Unfallgegners | Wiederbeschaffungswert minus Restwert | Das Auto bleibt Ihres. Sie entscheiden, an wen Sie es verkaufen |
| Sie haben selbst verschuldet oder es gibt keinen Gegner | Ihre eigene Vollkaskoversicherung oder Sie selbst | Was Ihr Vertrag vorsieht, abzüglich Selbstbeteiligung | Rechnen Sie Rückstufung und Selbstbeteiligung gegen, bevor Sie melden |
Wissen Sie noch nicht, ob ein Verwerter, ein Ankäufer oder ein privater Käufer für Sie der bessere Weg ist, vergleicht Altauto verkaufen: an den Verwerter, an einen Ankäufer oder privat alle drei Möglichkeiten nebeneinander.
Warum der regionale Markt für den Restwert zählt
Maßgeblich ist der Preis, den Sie in Ihrer Gegend wirklich bekommen können. Die Gerichte haben mehrfach bestätigt: Wer sein Auto zu dem Preis verkauft, den ein selbst beauftragter Gutachter auf dem regionalen Markt ermittelt hat, handelt richtig. Sie müssen von sich aus keinen bundesweiten Online-Markt für Restwertaufkäufer nutzen.
Der Gutachter belegt diesen Preis meist mit drei Angeboten aus Ihrer Nähe, jeweils mit Namen und Betrag im Gutachten genannt. Das ist die Zahl, an der Sie sich orientieren. Ein Angebot aus einem bundesweiten Online-Markt liegt oft höher, weil dort auch Käufer aus dem Ausland mitbieten. Genau deshalb darf man Ihnen dieses höhere Angebot nicht ohne Weiteres entgegenhalten.
Eine Grenze gibt es trotzdem. Erreicht Sie ein höheres, verbindliches Angebot der Versicherung, bevor Sie verkaufen, müssen Sie es berücksichtigen. Warten müssen Sie darauf aber nicht: Wer verkauft, sobald sein eigenes Gutachten vorliegt, handelt wirtschaftlich vernünftig, selbst wenn später ein besseres Angebot eintrifft.
- Beauftragen Sie das Gutachten selbst, wenn ein anderer den Unfall verschuldet hat. Der Gutachter der gegnerischen Versicherung arbeitet für die Gegenseite.
- Prüfen Sie, ob das Gutachten den Restwert mit drei Angeboten aus Ihrer Region belegt, jeweils mit Name des Anbieters und Betrag.
- Verkaufen Sie nicht, bevor das Gutachten vorliegt. Ohne den ermittelten Restwert fehlt Ihnen der Maßstab für jedes Angebot.
- Heben Sie jedes Schreiben der Versicherung mit Eingangsdatum auf. Ob ein besseres Angebot Sie vor dem Verkauf erreicht hat, entscheidet sich an diesem Datum.
- Rechnen Sie bei kleinen Schäden nach: Bei Schäden bis etwa 1.000 Euro hält der ADAC ein Gutachten für verzichtbar, dort reicht ein Kostenvoranschlag.
Wann sich Reparieren trotz Totalschaden noch lohnt
Bis zu 130 Prozent des Wiederbeschaffungswerts dürfen Sie reparieren lassen, statt abzurechnen. Die Gerichte erkennen an, dass Ihnen Ihr vertrautes Auto etwas wert ist, auch wenn eine kühle Rechnung dagegenspricht.
Zwei Bedingungen hängen daran, und beide werden oft übersehen. Ihr Auto muss vollständig und fachgerecht nach den Vorgaben des Gutachtens repariert werden, eine halbe Reparatur genügt nicht. Und Sie müssen es danach weiter fahren, nach Erfahrung des ADAC mindestens sechs Monate lang.
Liegen die berechneten Reparaturkosten über dem Wiederbeschaffungswert Ihres Autos?
Liegen sie zugleich innerhalb von 130 Prozent des Wiederbeschaffungswerts?
Lassen Sie vollständig nach Gutachten reparieren und fahren Sie das Auto mindestens sechs Monate weiter?
Die Reparaturkosten werden Ihnen ersetzt. Lassen Sie sich die vollständige, fachgerechte Ausführung von der Werkstatt schriftlich bestätigen und heben Sie die Rechnung auf.
Es bleibt bei Wiederbeschaffungswert minus Restwert. Eine halbe Reparatur führt nicht zum Ersatz der vollen Kosten.
Sie bekommen Wiederbeschaffungswert minus Restwert ausgezahlt. Das Auto bleibt Ihr Eigentum, Sie entscheiden über den Verkauf.
Sie können reparieren lassen oder ohne Reparatur nach Gutachten abrechnen. Ein Totalschaden liegt nicht vor, die 130-Prozent-Frage stellt sich nicht.
Entscheiden Sie sich gegen die Reparatur, beginnt der zweite Teil: der Verkauf des beschädigten Autos. Ab hier geht es nicht mehr um den Unfall, sondern um einen ganz normalen Kaufvertrag, mit anderen Risiken.
Woran Sie ein unseriöses Angebot für Ihren Unfallwagen erkennen
Der Markt für Unfallautos ist unübersichtlich, weil jedes Auto anders beschädigt ist. Eine amtliche Preisliste für den Ankauf von Unfall- und Altautos gibt es in Deutschland nicht. Jede Zahl, die Ihnen als üblicher Preis genannt wird, stammt vom Anbieter selbst, nicht von einer Behörde.
Vier Muster tauchen in Beschwerden von Verkäufern immer wieder auf. Sie wirken erst, wenn das Auto schon vor Ort ist oder das Geld schon fließen soll.
- Der Preis fällt bei der Besichtigung. Am Telefon wird eine Summe genannt, vor Ort werden plötzlich Rost, Laufleistung oder fehlende Papiere entdeckt. Wer schon angereist ist, verhandelt aus der schwächeren Position.
- Bargeld ohne Vertrag. Ohne schriftlichen Vertrag können Sie später weder den Preis noch den Zeitpunkt der Übergabe beweisen.
- Die Abmeldung wird zugesagt, aber nicht belegt. Solange Sie kein Dokument über die Ummeldung oder Verwertung in der Hand halten, läuft das Auto weiter auf Ihren Namen.
- Das Auto wird weiterverkauft, statt umgeschrieben zu werden. Es läuft dann weiter unter Ihrem Namen, mit Ihrer Steuer und Ihrer Verantwortung.
- Ein Vertrag ohne Käuferdaten. Ohne Name, Anschrift und Ausweisnummer des Käufers können Sie den Verkauf später nicht sauber melden.
Was nach dem Verkauf noch an Ihnen hängen bleibt
Mit der Übergabe endet Ihre Verantwortung für das Auto nicht. Sie endet erst, wenn das Straßenverkehrsamt den Wechsel in seinem Register eingetragen hat. Bis dahin läuft das Auto auf Ihren Namen, mit allem, was daranhängt: die jährliche Steuer, die Versicherungspflicht und die Verantwortung im Straßenverkehr.
Deshalb müssen Sie den Wechsel dem Straßenverkehrsamt unverzüglich melden, sobald Sie das Auto übergeben haben. Die Meldung braucht drei Angaben: das Kennzeichen, den vollständigen Namen und die Anschrift des Käufers, und dessen Bestätigung, dass er den Fahrzeugschein bekommen hat. Verzichten können Sie darauf nur, wenn der Käufer das Auto schon selbst umgemeldet hat.
Passiert beides nicht, kann das Straßenverkehrsamt Ihren Fahrzeugschein öffentlich aufrufen lassen, mit einer Frist von vier Wochen. Erst wenn diese Frist ohne Reaktion verstreicht, endet Ihre Anmeldung. Bis dahin läuft alles unter Ihrem Namen weiter.
- Schließen Sie einen schriftlichen Kaufvertrag in zwei Ausfertigungen ab, mit Datum, Kennzeichen, Fahrgestellnummer, Kilometerstand und Preis.
- Lassen Sie sich den Ausweis des Käufers zeigen und notieren Sie Name, Anschrift und Ausweisnummer. Bei einer Firma zusätzlich den Firmennamen.
- Halten Sie im Vertrag fest, dass es sich um ein Unfallauto handelt, und beschreiben Sie den Schaden so genau, wie Sie ihn kennen.
- Übergeben Sie das Auto gegen ein kurzes Protokoll mit Datum und Uhrzeit, unterschrieben von beiden Seiten.
- Melden Sie den Wechsel dem Straßenverkehrsamt, mit Kennzeichen, den Daten des Käufers und dessen Bestätigung über den Fahrzeugschein.
- Melden Sie den Verkauf auch Ihrer eigenen Versicherung und prüfen Sie nach zwei bis drei Wochen, ob die Ummeldung wirklich passiert ist.
Verwerten Sie das Auto stattdessen, tritt an die Stelle dieser Meldung ein anderes Papier: der Nachweis, dass ein anerkannter Betrieb das Auto übernommen hat. Melden Sie das Auto dann sofort ab und geben Sie Fahrzeugschein und Fahrzeugbrief zur Vernichtung ab.
Was im Kaufvertrag für Ihr Unfallauto stehen muss
Verkaufen Sie privat, dürfen Sie die Garantie ausschließen. Zwei Grenzen bleiben. Der Ausschluss hilft Ihnen nach dem Gesetz nicht, wenn Sie einen Mangel bewusst verschwiegen oder eine Eigenschaft fest zugesagt haben. Bewusst verschwiegen haben Sie schon dann, wenn Sie einen erheblichen Vorschaden kennen und ihn für sich behalten, obwohl der Käufer danach gefragt hat oder erkennbar danach fragen würde.
Die zweite Grenze liegt in der Beschreibung selbst. Bieten Sie ein Auto als Bastlerfahrzeug oder zum Ausschlachten an, legen Sie damit fest, in welchem Zustand es verkauft wird. Das schützt Sie bei technischen Mängeln, die zu diesem Zustand passen. Es schützt Sie nicht, wenn Sie zugleich falsche Angaben zu Unfallfreiheit, Laufleistung oder Fahrbereitschaft machen.
Verkaufen Sie an einen gewerblichen Käufer, ändert sich an Ihrer Position wenig. Die strengen Regeln zum Schutz von Käufern gelten hier nicht, weil in diesem Fall Sie die Privatperson sind, nicht der Käufer. Sie dürfen die Garantie also auch hier ausschließen. Wichtiger ist etwas anderes: Ihr Gegenüber begutachtet beruflich Autos und kann später kaum glaubhaft machen, einen sichtbaren Schaden übersehen zu haben. Genau deshalb gehört der Zustand in den Vertrag, so wie beide ihn bei der Übergabe gesehen haben.
Ist Ihr Auto dagegen kein Reparaturfall mehr, sondern reif für die Verwertung, zählt nicht mehr der Restwert, sondern der Schrottpreis für ein Auto.
Was sich 2028 für Verkäufer eines Totalschadens ändert
Ab dem 1. September 2028 trifft eine neue Pflicht auch Privatpersonen. Eine EU-Verordnung verlangt dann von Verkäufern, die keine Händler sind, ein Papier vorzulegen, das zeigt: Ihr Auto ist kein Altauto im Sinne des Abfallrechts. Das gilt in zwei Fällen: wenn eine Versicherung das Auto als wirtschaftlichen Totalschaden eingestuft hat, und wenn der Verkauf komplett online läuft, ohne dass das Auto persönlich übergeben wird.
Dazu kommt eine Pflicht für Versicherungen. Bei der Bewertung eines Schadens müssen sie künftig mitprüfen, ob das Auto nach festen Kriterien schon ein Altauto ist. Die Einstufung wandert damit von der reinen Geldfrage zur Frage, ob das Auto noch ein Auto ist oder schon Abfall.
Bis dahin gilt für Ihren Verkauf das heutige Recht. Wer heute ein Unfallauto verkauft, braucht ein solches Papier noch nicht. Planen Sie aber, ein beschädigtes Auto jahrelang stehen zu lassen und erst später zu verkaufen, sollten Sie den Termin im Kopf behalten.
Häufige Fragen
Wer bestimmt den Restwert meines Unfallwagens?
Den Restwert legt der Gutachter fest, den Sie mit dem Schadengutachten beauftragen, und zwar anhand des regionalen Marktes in Ihrer Nähe, meist gestützt auf drei Angebote. Die Gerichte haben bestätigt, dass Sie dafür keinen bundesweiten Online-Markt für Restwertaufkäufer nutzen müssen.
Muss ich das höhere Restwertangebot der Versicherung annehmen?
Ein höheres Angebot der Versicherung müssen Sie nur berücksichtigen, wenn es Sie erreicht, bevor Sie das Auto verkauft haben. Abwarten müssen Sie darauf nicht: Wer verkauft, sobald sein eigenes Gutachten vorliegt, handelt richtig. Heben Sie deshalb jedes Schreiben der Versicherung mit dem Eingangsdatum auf.
Was bedeutet die 130-Prozent-Regel bei einem Unfallwagen?
Die 130-Prozent-Regel erlaubt Ihnen, ein Auto reparieren zu lassen, obwohl die Reparatur teurer ist als der Verkauf zum Restwert. Die Kosten dürfen den Wiederbeschaffungswert um höchstens 30 Prozent übersteigen, die Reparatur muss vollständig sein, und Sie müssen das Auto danach nach Erfahrung des ADAC mindestens sechs Monate weiter fahren.
Wem gehört mein Auto nach einem wirtschaftlichen Totalschaden?
Nach einem wirtschaftlichen Totalschaden bleibt Ihr beschädigtes Auto Ihr Eigentum. Die Versicherung des Unfallgegners zieht den Restwert nur rechnerisch vom Wiederbeschaffungswert ab, sie kauft das Auto dadurch nicht. Sie entscheiden selbst, ob Sie es verkaufen, verwerten lassen oder behalten.
Hafte ich noch, wenn ich mein Unfallauto schon verkauft habe?
Nach dem Verkauf bleiben Sie so lange im Register eingetragen, bis das Straßenverkehrsamt den Wechsel eingetragen hat. Melden Sie den Wechsel deshalb unverzüglich, mit Kennzeichen, Name und Anschrift des Käufers und dessen Bestätigung, dass er den Fahrzeugschein erhalten hat.
Kann ich beim Verkauf eines Unfallwagens die Garantie ausschließen?
Als Privatperson können Sie die Garantie beim Verkauf ausschließen. Der Ausschluss wirkt aber nicht, wenn Sie einen Mangel bewusst verschwiegen oder eine Eigenschaft fest zugesagt haben. Nennen Sie deshalb jeden bekannten Vorschaden im Vertrag, statt sich auf den Ausschluss zu verlassen.
